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Die Planet Prozess Ausstellung von Urban Grassroots Drucken E-Mail
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Die Differenz zwischen Streetart und klassischen Graffiti ließ sich in Friedrichshain eine Zeit lang in einer Art räumlichen Trennung beobachten. Im angesagten und chicen Süd-Kiez dominierten klar die netten kleinen Stickerchen, infantil wirkend gekritzelte Figuren, mit Schablonen gesprühte Gesichter und verwirrende Botschaften. Diese als Streetart bekannte Ausdrucksform fand auch des Öfteren schon Einzug in diverse Kunsträume und erfreut sich breiter Akzeptanz.

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Der Nord-Kiez hingegen, wo einem, egal zu welcher Tages-, Wochen- oder Jahreszeit, immer Besoffene begegnen, blieb vermehrt Einzugsgebiet für Tags und Bombings, klassischen Disziplinen des illegalen Straßengraffiti. Zeitweise gab es dort einen regelrechten Krieg zwischen sanierungwilligen Vermietern und Writern, die nach wie vor Berlin für sich in Anspruch nehmen.
Die Protagonisten der eingängigeren, weil freundlicheren aber auch zahnloseren Streetart jedenfalls haben es geschafft, als das akzeptiert zu werden, was Graffiti-Writer zwar immer einforderten, was aber eigentlich keiner wirklich wollte: Ihr Schaffen gilt als Kunst.

 

So fahren Urban Grassroots mit ihrer Planet Prozess Ausstellung richtig dick auf. Auf vier Etagen präsentieren sich die 40 KünstlerInnen aus 12 verschiedenen Ländern im Senatsreservenspeicher in der Cuvrystraße. Die Ausstellung soll ein Prozess sein und somit ständig weiterentwickelt werden, bis zum großen Finale am 11. August.
Jedoch beschleicht mich, als ich den alten Speicher durchlaufe, bald dieses Gefühl des Desinteresses, das ich schon immer beim Besuch von modernen Kunstausstellungen verspürte. Der faszinierende Geist, der mich Graffiti, trotz meiner sonstigen allgemeinen Ignoranz gegenüber visueller Ästhetik, hat lieben lassen, ist bei dieser Ausstellung jedenfalls verloren gegangen.


Es ist der Übergang von Underground zum bürgerlichen, wenn eine illegale Schmiererei zum warenförmigen Exponat wird. Ganz soweit dürfte es bei Planet Prozess noch nicht sein, es stellt sich dennoch die Frage nach der Intention, wenn eine Kunst, die vom Namen her auf der Straße beheimatet ist, in die Räume einer Ausstellung gezwängt wird.
Real ist jedenfalls der Brechreiz, wenn mir beim Besuch eines Punkerfreundes der Gestank von Müllbergen, Alkohol und Hundefutter in die Nase steigt und eben nur künstlich oder künstlerisch die Simulation einer solche Atmosphäre beim Planet Prozess.

Doch soll sich die Ausstellung ja nicht nur auf den alten Reservespeicher beschränken, sondern auch da stattfinden, wo es der Name erwarten lässt. So ist etwa das Gelände gleich gegenüber des Speichers schon seit langem Ort der subkulturellen grafischen Gestaltung. Das für das von der Oberbaumbrücke bereits deutlich sichtbare Bild zweier Maskierter eigens eine Hebebühne herangeschafft worden sein soll, spricht jedoch auch hier wieder für den popkulturellen Aspekt des Unterfangens. Wie zwei seit kurzem an diesem Ort vertretene Größen der Writerszene, namentlich Phos und Poet, sich zu dem ganzen positionieren, bleibt leider ungewiss.


Eine Anwohnerin der Cuvrystraße findet in einem öffentlich gemachten Schreiben recht klare Worte: Man solle sich den Mainstreamdreck dahin stecken, wo die Sonne niemals scheine und sie unterstellt den Urban Grassroots die Praxis, mittels Sondergenehmigung würden in mühevoller Illegalität erstellte Bilder übermalt.
Insgesamt bleibt festzuhalten, welche Bereicherung Streetart nebst Graffiti im Straßenbild auch sein mag, für Kunstfreunde ist die Ausstellung sicherlich einen Besuch wert, Grafftiti-Fans jedoch werden das spannendste beim Planet Prozess wie auch schon bei der diesjährigen Backjumps in den vollgetaggten Türen finden.


ml

 


 
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